Die Internationale Biathlon-Union IBU hat ein Zeichen gesetzt und die Dopingsünderin Kaisa Varis lebenslang gesperrt. ZDFonline sprach mit IBU-Vizepräsident Gottlieb Taschler über Entstehung und Auswirkungen dieses Urteils.
ZDFonline: Herr Taschler, ist das Urteil der IBU im Fall Kaisa Varis juristisch hieb- und stichfest?
Gottlieb Taschler: In unseren Augen ja.

ZDFonline: Im Vorfeld des Urteils gab es aber große Unsicherheit, ob es der IBU überhaupt möglich ist, eine gedopte Biathletin, die bei ihrem ersten Doping-Vergehen einem anderen Verband angehört hatte, als Wiederholungstäterin zu sperren.
Taschler: Das IBU-Statut, welches übrigens identisch ist mit jenem der WADA (Welt-Anti-Doping-Agentur), sagt ganz deutlich, dass ein Athlet unabhängig von seiner vormaligen Verbandszugehörigkeit als Wiederholungstäter bestraft werden kann. Gedopt ist gedopt.
ZDFonline: Gab es große Diskussionen innerhalb des IBU-Vorstandes über das adäquate Strafmaß für Kaisa Varis?
Taschler: Wir haben den Fall natürlich ausführlich diskutiert und uns mit unseren Juristen beratschlagt. Letztendlich stand aber für alle im Vordergrund, dass man als Weltverband hart durchgreifen und ein Zeichen setzen muss, um unseren Sport sauber zu halten.
ZDFonline: Wurde die Athletin Varis im Vorfeld der Entscheidungsfindung angehört?
Taschler: Nicht vom IBU-Vorstand selbst, aber die Athletin hat natürlich alle Rechte bekommen, sich zu äußern.
ZDFonline: Wird Kaisa Varis das Urteil anfechten?
Taschler: Darüber ist mir noch nichts bekannt.
ZDFonline: Sie verfolgen vor Ort die Biahtlon-WM in Östersund. Haben Sie irgendwelche Bedenken, dass es während der Wettkämpfe zu einem weiteren Dopingfall kommt?
Taschler: Das kann man natürlich nie zu hundert Prozent ausschließen. Die Vergangenheit hat uns aber gezeigt, dass die Sünder oft Einzeltäter waren und das Team nicht involviert war.
ZDFonline: Nach dem Fall Varis: Gibt es Überlegungen im IBU-Vorstand, das Regelwerk dahingehend zu ändern, dass ein vorbestrafter Athlet nicht mehr in die Biathlon-Familie aufgenommen werden muss?
Taschler: Ja, wir arbeiten in der Tat daran. Auch für uns war der Fall Varis eine neue Erfahrung. Wir wollen verhindern, dass es einen ähnlichen Fall noch einmal gibt.